Macht-Kämpfer

 

Wenn sich Eltern mit ihren Kleinen in die Haare kriegen, fürchten beide, das Gesicht zu verlieren. So lösen Sie die HÄUFIGSTEN PROBLEME

 

Die Anlässe sind meist banal, doch trotzdem fliegen die Fetzen, immer und immer wieder in den gleichen Situationen. Meist beginnen Auseinandersetzungen zwischen Eltern und ihren Kindern, wenn die Kleinen etwa eineinhalb Jahre alt sind. Denn dann fangen diese an, eigene Bedürfnisse einzufordern. Stimmen die nicht mit dem überein, was Mama und Papa von ihrem Nachwuchs wollen, entwickelt sich ganz schnell ein Streit. Eine Gratwanderung für alle Erwachsene, denn sie sind ihren Kleinen deutlich überlegen, an Worten und Macht. Was eigentlich auch gut ist, denn „eine Familie ist keine Demokratie, in der alle die gleichen Rechte und Pflichten haben“, sagt Familiencoach und Erziehungsberaterin Ulrike Rether aus Freiburg. Eltern haben die Verantwortung für ihren Nachwuchs und bestimmen, wo es langgeht. Diese Art der Führung brauchen die Kleinen, damit sie wissen, was erlaubt ist und wo die persönlichen Grenzen der Eltern sind. In einer Auseinandersetzung zwischen Eltern und Kindern geht es daher also oft um die Frage nach Macht und Kontrolle: „Eltern haben auf einmal das Gefühl, ihr Kind sagt jetzt wo’s lang geht. Sie haben Angst, das Zepter aus der Hand zu geben “, erklärt Rether. Aus dieser Angst heraus, die Kontrolle über den Nachwuchs und die Situation zu verlieren, fordern Erwachsene dann jedoch etwas ein, was nicht zur Entspannung der Situation beiträgt: Das Kleine soll gehorchen, am besten sofort und ohne Widerworte. Doch genau das tut es natürlich nicht, und schon dreht sich die Streitspirale munter weiter. Was hier fehlt, und das merken die Kleinen sofort, ist Respekt. Respekt vor ihrem Bedürfnis, das sie in diesem Moment des Streits haben “; sagt Rether. Dass sie zum Beispiel noch dringend die Höhle weiterbauen müssen und deshalb weder aufräumen noch ins Bett gehen können. Macht ein Kind immer wieder die Erfahrung, dass seine Wünsche und Bedürfnisse respektiert werden, kann es im Gegenzug auch auf die der Eltern eingehen. Wie das in typischen Familienstreit-Situationen gelingt, lesen Sie im Folgenden:

 

Aufräumen

Nein, will nicht“, schreit der Dreijährige und läuft schnell weg, wenn seine Mama ihn bittet, die Legosteine aufzuräumen. Wer jetzt darauf besteht, dass der Kleine das aber schleunigst erledigt, hat schon verloren. „Bis Kinder ca. vier Jahre alt sind brauchen sie beim Aufräumen  Unterstützung“, erklärt Ulrike Rether. Klare Anweisungen wie zum Beispiel räum die Legos bitte in die Kiste“ funktionieren gut. Noch besser ist es, wenn die Erwachsenen mithelfen und kommentieren was sie gerade machen wie etwa „Schau, die Bücher stellen wir hier ins Regal“. Ältere Kinder argumentieren oft, dass sie keine Lust zum Aufräumen haben. Darauf gibt Rether eine klare Antwort:“Das kann ich gut verstehen. Kinder ab ca. sechs Jahren können Eltern auch entscheiden lassen, wann sie aufräumen. Sie verstehen zudem, dass sie selbst für ihre Sachen verantwortlich sind und dass zum Spielen auch aufräumen gehört. Außerdem haben Eltern die Vorbildfunktion. Sie merken wie Mama und Papa das tun also tun sie es genau so sagt die Expertin

 

Ins Bett gehen 

„Warum willst du denn noch nicht schlafen?“ Mit dieser Frage würde Ulrike Rether reagieren, wenn ein Kind nicht ins Bett will. „So kommt man miteinander ins Gespräch Dabei sollten sich nicht scheuen zu sagen, dass es jetzt Zeit zum schlafen ist. Fragen sie ihren Sprössling was er zum Abschluss des Tages tun möchte wie zum Beispiel ein Buch lesen. So fühlt sich ihr Kind gut denn es darf ja mitbestimmen. Es fällt ihn außerdem leicht zu akzeptieren, dass  nun Schluss ist. Geben sie kleineren Kindern einen Gute –Nacht- Kuss. Denn das Kind braucht etwas um den Tag zu beenden. Entwickeln sie doch ein ins Bett geh Ritual.“Empfiehlt die Expertin

 

Fernsehen

 

Wenn Eltern möchten, dass ihre Kinder nicht fernsehen, müssen sie das auch deutlich sagen. ,,Eine schwammige Formulierung wie ,wir möchten das eigentlich nicht“ wird nur ein Versuch bleiben“, sagt Rether. Die Kleinen merken sofort, dass sie noch Spielraum haben. Schon werden sie weiter betteln und quengeln. Besser wäre es, zu sagen: ,,Wir schauen kein Fernsehen, weil wir das nicht gut finden.“ Kommt als Gegenargument, dass aber alle Kindergartenfreunde das Sandmännchen schauen dürfen, gilt es, bei seiner Einstellung zu bleiben. ,,Machen Sie dabei aber die anderen nicht schlecht, sondern erklären Sie, dass Sie es trotzdem nicht gut finden und daher auch nicht erlauben“, rät die Familienberaterin.

 

 

Essen

 

Am Esstisch führt vor allem ein Punkt häufig zu Streit: Viele Eltern sorgen sich, dass ihr Kind zu wenig isst. Sie können nicht akzeptieren, wenn es sagt, es ist satt. ,,Genau das müssen sie aber“, sagt Rether. Denn schon Babys wissen, wann sie genug getrunken haben, und schieben dann die Flasche zur Seite oder drehen sich weg von der Brust. Doch mit zunehmenden Alter trauen die Erwachsenen dem Nachwuchs nicht mehr zu, selbst zu entscheiden, ob sie satt sind. Eltern meinen dann, über das Hunger- und Sättigungsgefühl bestimmen zu können. ,,Da Kinder generell kooperieren wolle, essen sie häufig so viel wie gewünscht und verlieren ihr natürliches Sättigungsgefühl. Irgendwann essen sie dann nur noch für uns. “Kein Erwachsener würde das aushalten, gibt die Expertin zu bedenken. „Eltern muss daher ,egal´ sein, ob ihr Kind isst oder nicht.“ Sie sind lediglich dafür verantwortlich, dass für die Kleinen dreimal am Tag nahrhaftes Essen auf den Tisch kommt und während der Mahlzeiten eine angenehme Atmosphäre herrscht. Ist die Mahlzeit beendet, sollte es konsequenterweise nicht eine halbe Stunde später noch einen Nachschlag geben, auch wenn Tochter oder Sohn auf einmal über Hunger klagt. „Kinder spüren sehr schnell, dass sie selbst verantwortlich dafür sind, genug zu essen, und werden es sehr schätzen, wenn sie beim Essen in Ruhe gelassen werden.“ Trotzdem kann es Regeln geben, an die sich jeder halten muss, zum Beispiel dass Besteck benutzt wird.

 

Hilfe, mein Kind trotzt!

 

Trotzanfälle sind einem Streit sehr ähnlich: Beide Parteien steigern sich in etwas hinein. Statt zu einer Lösung zu kommen, drohen Eltern den Kleinen. Dabei wäre es eigentlich einfach: „Für ein Kind geht es in diesem Moment um Leben und Tod. Es will den Schokoriegel an der Kasse mehr als alles auf der Welt“, sagt Ulrike Rether. Wer sich das bewusst macht, kann angemessen reagieren: „ Sagen Sie Ihrem Kind, dass es traurig sein darf, dass es die Süßigkeiten aber nicht bekommt.“ Kinder fühlen sich so ernst genommen und können das Nein besser akzeptieren.

 

 

Quelle: Baby und Familie, Februar 2011

 

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