Richtig streiten

 

Jeder tut es, mal leise, mal laut, mal versteckt, mal offen: Zumindest hin und wieder streiten alle – in der harmonischsten Familie, in den symbiotischsten Partnerschaften. Manche schreien sich leidenschaftlich an, andere resignieren – oder verheddern sich in die stundenlangen, fruchtlose Diskussionen.

 

Warum Streit so auf den Gemüt lastet: Das haben vor allem Paarforscher bestens untersucht. Wenn sich Liebende zoffen, rücken nämlich leider der bei vielen gleich die "apokalyptischen Reiter" an. Nach diesen biblischen Untergangsboten bezeichnet der US-Paartherapeut John Gottman Liebeskiller, die eine Partnerschaft auf Dauer aushöhlen.

 

Die vier Untergangsboten beschrieb Gottmann so:

1. Kritik: Ganz klar, manchmal muss man seine Meinung sagen. Aber wer versucht, mit Kritik den anderen klein zu machen, drängt ihn in die Defensive und sorgt dafür, dass der Zoff in Dauerschleife gerät.

2. Verteidigung: Nur seine Position zu verfechten, den Standpunkt des anderen nicht wahrzunehmen und stattdessen mit Rechtfertigen und Psychologisieren („Du bist wie deine Mutter!) zu antworten – ein Liebeskiller erster Güte, denn so kommt der andere nie zu Wort.

3. Verachtung: Dieser apokalyptische Reiter kommt in ganz unterschiedlichen Gestalten daher: mal als verbaler Angriff, mal nur in Form von Köpersprache – mit Augenrollen etwa oder spöttischem Lachen.

4. Rückzug: Weggucken, aufstehen, den Raum verlassen, den anderen ignorieren, ihm zeigen, wer in diesem Streit der Stärkere, weil Gleichgültigere ist – sehr verletzend für den anderen…

 

Apokalyptische Reiter gibt es in der Partnerschaft – aber auch im Umgang mit den Kindern. Der Weg daraus? „Am wichtigsten ist in jedem Streit, die Verschiedenheit des anderen anzuerkennen“, erklärt Dr. med. Hans Joachim Maaz, Psychoanalytiker und Psychiater in Halle („Die Liebesfälle“, dtv-Verlag). Unterschiedliche Bedürfnisse sind an sich nicht problematisch. Sie führen aber zum Streit, wenn einer beginnt, sie abzuwerten oder zu ignorieren. Genauso wichtig: Mitgefühl mit seinem Kontrahenten zu zeigen und dabei eigene Interesse im Auge zu behalten. Wie das funktioniert, zeigen wir auf den nächsten Seiten anhand typischer Streitsituationen auf. Vielleicht lässt sich so der eine oder andere Streit bereinigen-oder gar ganz vermeiden. 86,5 Prozent der Befragten unserer Umfrage waren nämlich auch der Meinung: „Die meisten Streits sind die Sache eigentlich nicht wert.“

 

 

Quelle: Baby und Familie, Februar 2011

 

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